Kommentar

Komplizierte Saison

Archivartikel

Alexander Müller zur Situation bei der Eintracht

Gonçalo Paciência, Lucas Torró oder Evan N’Dicka – die Frankfurter Fans werden ein bisschen üben müssen, um die Namen ihrer Neuzugänge bei der Mannschaftsvorstellung zum Bundesliga-Start unfallfrei rufen zu können. Nach dem in seiner Bedeutung für den hessischen Traditionsverein gar nicht hoch genug einzuschätzenden Pokaltriumph haben die Mechanismen des Fußballgeschäfts bei der Eintracht mit voller Härte zugeschlagen: Erfolgstrainer Niko Kovac von den Bayern abgeworben, Leistungsträger wie Lukas Hradecky, Kevin-Prince Boateng, Omar Mascarell, Marius Wolf und bald wohl auch Ante Rebic weggekauft. Die Frankfurter stehen vor einer komplizierten Saison des Übergangs – und können nur hoffen, dass Sportchef Fredi Bobic wie im Vorjahr bei den Neuverpflichtungen richtig lag.

Der frühere Nationalstürmer ist seinem Stil in der Transferpolitik treugeblieben und holt weiterhin verstärkt entwicklungsfähige Spieler aus dem Ausland. Vor dieser Saison lag sein Fokus auf der iberischen Halbinsel, wo die Fußballer hervorragend ausgebildet werden und als charakterlich einwandfrei gelten. Mit dem Österreicher Adi Hütter ist Bobic eine Trainerlösung abseits ausgetretener Pfade gelungen, die charmant klingt – aber in der harten Bundesliga-Praxis erst einmal funktionieren muss. Hütter will einen attraktiven, ansehnlichen Fußball spielen lassen, was löblich ist, in Zeiten des personellen Umbruchs und mit der Dreifachbelastung aber auch nicht risikofrei. Das Schicksal des 1. FC Köln in der vergangenen Saison sollte der Eintracht Warnung sein: als Europapokal-Teilnehmer direkt in die 2. Liga gerauscht. Mit einer sorgenfreien Spielzeit, gespickt durch einige internationale Höhepunkte, könnten die Hessen schon sehr zufrieden sein.

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