Kommentar

Konkurrenz schadet nicht

Archivartikel

 

Seit vorgestern gilt in Mannheim eine neue Steuer. Einwohnergewinnung, unter diesem Schlagwort läuft die Abgabe. Denn nur in zweiter Linie geht es darum, die betroffenen Bürger zur Kasse zu bitten. In erster Linie will man Menschen dazu bewegen, hier in Mannheim ihren Erstwohnsitz anzumelden. Das Ziel ist richtig, wenn auch die Erwartung, wie viele Neubürger das bringt, womöglich etwas hochgegriffen war. Bis klar ist, wer bezahlen muss und wer sich umgemeldet hat, dauert es wohl noch – wert ist es das trotzdem.

Die neue Steuer ist Teil eines größeren Zusammenhangs: Viele Städte werben und kämpfen mittlerweile um Einwohner wie lange nicht mehr. Mehr als 520 Kommunen in Deutschland haben etwa schon eine Zweitwohnungssteuer, um Menschen zum Ummelden zu bewegen. Oder ein ganz anderes Beispiel, das mit Steuern gar nichts zu tun hat: Die Mannheimer Stadträte haben kürzlich beschlossen, ab Herbst die Gebühren für Kindergärten deutlich zu senken. Auch das ist ein Schritt, um sich gegenüber anderen Städten als Wohnort attraktiver zu machen.

Der Grund ist einfach: Städte sind auf ihre Einwohner angewiesen. Da es um die Finanzen der meisten Kommunen nicht unbedingt rosig bestellt ist, haben viele Kämmerer erkannt, wie wichtig die Gewinnung neuer Einwohner auch rein finanziell ist. Solange daraus kein ruinöser Wettlauf zwischen den Kommunen wird, der am Ende mehr kostet als er bringt, ist das völlig in Ordnung. Etwas gesunde Konkurrenz schadet als Antrieb sicher nicht.

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