Kommentar

Konstruktive Bereicherung

Archivartikel

Thorsten Langscheid über das Engagement der Lindenhöfer Bürger

Ohne Zweifel muss der Rheindamm auch in ferner Zukunft sicher stehen und die Stadt gegen ein 200-jähriges Hochwasser schützen. Ob eine rechnerisch nur einmal in 200 Jahren auftretende Flut überhaupt jemals erreicht wird, halten manche angesichts von Klimawandel und sinkenden Wasserständen am Rhein allerdings für unwahrscheinlich. Auf der anderen Seite stehen zunehmende Extremwetterereignisse mit Stürmen und Starkregen, so dass die Maxime „Sicherheit geht vor“ auf jeden Fall befolgt werden muss.

Aber ein Kahlschlag am Rheindamm wäre für viele Menschen mindestens ebenso katastrophal wie eine verheerende Überschwemmung. Deswegen sind die Auseinandersetzungen um das Sanierungsvorhaben und der Streit um die Bäume so wichtig: Sie schärfen den Blick für mögliche Alternativen und machen den Weg für einen möglichst umfassenden Baumschutz frei. Es ist daher nur folgerichtig, dass die Stadtverwaltung den von den Bürgern beauftragten Gutachter in das weitere Planungs- und Genehmigungsverfahren einbinden will – so verpuffen die Bürgerproteste nicht, sondern bereichern das weitere Verfahren auf konstruktive Weise.

Die Lindenhöfer haben damit gezeigt, dass bloßes „Dagegensein“ noch keine positive Bürgerbeteiligung ausmacht. Zur Kritik gehört immer auch der Vorschlag, wie’s besser gehen könnte, und die Bereitschaft, mitzuwirken. Das hat die Interessengemeinschaft eindrucksvoll abgeliefert. Nun sind die Behörden in Karlsruhe und Mannheim mit der Umsetzung am Zug.