Kommentar

Kontrollverlust

Werner Kolhoff über den Mord an einem Mädchen aus Mainz, der schmerzlich die Fehler bei Asylverfahren vor Augen führt

 

Der Fall des ermordeten Mädchens Susanna wirkt wie ein zweiter Fall Kandel und wird die Kritiker der Asylpolitik erneut mobilisieren. Der Mord an sich markiert dabei nicht die eigentliche politische Dimension. Die Tat, so abscheulich sie ist, hat nichts mit der Nationalität von Opfer und Tätern zu tun. Die hätte auch umgekehrt verteilt sein können. Wahr ist auch, dass so ein Ereignis nichts aussagt über junge Männer generell oder über junge Flüchtlinge.

Dennoch offenbart dieser Mord auf der Seite der mutmaßlichen Täter wie in einem Brennglas alles, was schiefgelaufen ist seit dem großen Flüchtlingsstrom von 2015. Antragsteller, deren Asylgründe vorgeschoben sind und die damit weit kommen. Identitäten, die frei erfunden werden. Einer der Tatverdächtigen war massiv kriminell auffällig und als Asylbewerber schon abgelehnt. Trotzdem durfte er bleiben.

Der Fall zeigt: Wer wollte, konnte den 2015 eingetretenen Kontrollverlust ausnutzen – und kann es bis heute. Wie blauäugig sind die Behörden? Und wie schlecht organisiert? Der Bamf-Skandal zeigt: extrem schlecht.

Das Asylverfahren und die Rechtslage müssen human sein und bleiben. Aber sie dürfen dem Missbrauch nicht länger Tür und Tor öffnen. Das ist, jenseits einer rückwärtsgewandten Betrachtung über Fehler in der Vergangenheit, die eigentliche Aufgabe, die vor der großen Koalition liegt. Sie sollte sich nicht täuschen, wie groß die Wut nach solchen Straftaten ist.

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