Kommentar

Kontrollverlust

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Thomas Spang zur Russland-Affäre: Donald Trump verliert an Boden

Verschwörung mit einer gegnerischen Macht und Behinderung der Justiz – darum geht es in der Russland-Affäre. An beiden Fronten gerät Donald Trump massiv unter Druck. Besonders schwer wiegt die Aussage seines langjährigen Anwalts Michael Cohen. Der zu Sonderermittler Mueller übergelaufene „Besorger“ beschuldigt seinen ehemaligen Chef, das mutmaßliche „Verschwörer“-Treffen mit Agenten des Kreml im Vorfeld abgesegnet zu haben.

Das steht im Widerspruch zu den öffentlichen Versicherungen des Präsidenten, dessen Sohnes, seiner Anwälte und der Sprecherin. Diese hatten mehrfach bestritten, dass Trump davon wusste. Wenn Cohen die Wahrheit sagt, steht Trump nicht nur als Lügner da, sondern als Mitverschwörer. Zumal inzwischen außer Frage steht, dass die russischen Gäste dem Wahlkampfteam Trumps im Auftrag ihrer Regierung „Schmutz“ über Hillary Clinton anbieten wollten. Trump Junior wusste das ebenso wie Trumps damaliger Wahlkampfmanager Paul Manaford. Dieser sitzt bereits in U-Haft und muss sich wegen seiner Russland-Geschäfte verantworten.

Ironisch ist es schon, dass Trump nun seine unkontrollierte Libido zum Verhängnis werden könnte. Der Bruch mit Cohen erfolgte über die rechtlichen Nöte, in die dieser wegen der mutmaßlichen Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels und andere Frauen geraten war. Er will nach Aussagen seines Anwalts nicht mehr der Sündenbock sein. Cohen versucht, die Staatsanwaltschaft gnädig zu stimmen. Deshalb packt er aus. Und hilft dafür dem Sonderermittler in der Russland-Affäre.

Einfacher hat es Mueller beim Nachweis einer Behinderung der Justiz durch Trump. Dafür reicht ein Blick in dessen Tweets. Trump hat Anlass, nervös zu werden.

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