Kommentar

Konzentration beim Kaffee

Archivartikel

Hannes Koch zur wachsenden Macht von Konzernen

 

Außen Vielfalt, dahinter Einförmigkeit. So sieht oft die Realität in der Marktwirtschaft aus, die theoretisch die Konkurrenz zahlreicher Anbieter gewährleisten soll. Tatsächlich findet nicht selten Konzentration statt: Aus kleineren Unternehmen entstehen immer mächtigere Konzerne, die schließlich selbst globale Märkte beherrschen. Die gerade verkündete Kaffee-Kooperation von Nestlé und Starbucks darf man wohl in diese Kategorie einordnen.

Nestlé mit Sitz am Genfer See in der Schweiz ist einer der wichtigsten Konzerne weltweit. Sein Jahresumsatz erreicht rund 80 Milliarden Euro – etwa ein Viertel des Staatshaushaltes der Bundesrepublik. Um den Profit seiner Kaffee-Sparte zu erhöhen, verkauft der Lebensmittel-Gigant künftig auch Produkte der US-Kette Starbucks. Das Unternehmen erhält nicht nur frisches Kapital, sondern hofft zudem auf einen Imagegewinn durch verstärkte Präsenz in den Supermärkten.

Angesichts solcher Megageschäfte schreiten die staatlichen Kartellämter zu selten ein, um die Marktmacht der Konzerne gegenüber Erzeugern und Verbrauchern zu bändigen. Und die Kunden stemmen sich ebenfalls mehrheitlich nicht gegen fortschreitende Konzentration. In Deutschland oder den USA kann man zwar zu fair gehandeltem oder Bio-Kaffee greifen, doch Gesellschaftsveränderung durch Kaufverhalten ist zeitraubend und anstrengend. Konzerne wie Nestlé und Starbucks leben auch von der Bequemlichkeit der Konsumenten so gut.

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