Kommentar

Konzept nötig

Thomas Schrott zum geplanten Kauf des Rathaus-Centers

Anlass zur Freude besteht nicht. Sicher, mit dem beabsichtigten Kauf des Rathaus-Centers, den der Stadtrat trotz der gestrigen Vertagung wohl mit großer Mehrheit befürworten wird, fällt eine große Hürde für das Megaprojekt Hochstraße. Wenn der Besitz der Schlüsselimmobilie in einer Hand liegt, werden manche Planungen auch über die Zukunft des Rathausturms einfacher. Der Erwerb eines Centers, das in vier Jahren dicht gemacht wird, hat aber auch betrübliche Folgen. Dadurch steigt die immense Verschuldung der Stadt weiter. Und demnächst stehen weitere hohe Millionenbeträge für Großprojekte an, wie der Ausbau der Linie 10 und die (noch nicht bezifferten) Mehrkosten für die Sanierung der Hochstraße Süd.

Bedrückend ist die Perspektive für die Innenstadt. Zumal die Verwaltung dafür kein langfristiges Konzept besitzt, sondern in der Vergangenheit einen Zick-Zack-Kurs verfolgte. Einst florierte der Einzelhandel in Ludwigshafen am Berliner Platz („Südpol“). Dann folgte ein zweiter Schwerpunkt mit dem Rathaus-Center am „Nordpol“. Vor 20 Jahren gab es einen dritten mit der Walzmühle, vor zehn Jahren einen vierten mit der Rhein-Galerie. Folge: In den Fußgängerzonen herrscht weitgehend Tristesse. Daher ist die Schließung des Rathaus-Centers mit 80 Geschäften, das bislang zur Belebung der Innenstadt beiträgt, keine Nebensache. Wenn sich die Probleme nicht weiter verschärfen sollen, muss die Stadt deutlich mehr tun. Es reicht nicht, einen Ersatzstandort für einen großen Supermarkt zu finden. Es geht auch um die Zukunft von attraktiven Fachgeschäften. Da muss ein besseres Konzept her als früher.

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