Kommentar

Kooperation statt Vorschrift

Anke Philipp zum Streit über die Erhaltungssatzung

 

Die Stadt ist vor 15 Jahren angetreten, das Hafenviertel aufzuwerten. Vieles ist seitdem passiert: Neue Bewohner, Gewerbetreibende und Kulturschaffende sind am Verbindungskanal eingezogen. Dazu kam der Trend, dass neben Europa-Zuzüglern und Flüchtlingen auch Jüngere auf der Suche nach günstigerem Wohnraum sowie Ältere aus dem Umland zurück ins Zentrum gezogen sind. Im Ergebnis hat sich der Jungbusch gewandelt vom einstigen schmuddeligen Rotlichtbezirk zum hippen Stadtteil. So weit, so beabsichtigt.

Fluch und Segen

Mit der gewollten Stadterneuerung sowie den vom Quartiermanagement organisierten Entwicklungsprojekten ist der Stadtteil lebenswerter geworden. Davon profitieren viele. Dass der Wandel zum Besseren aber auch angestammte Bewohner verdrängt, lässt sich bundesweit beobachten – Gentrifizierung ist eben Fluch und Segen zugleich. So kann eine angestrebte bessere soziale Durchmischung der Bevölkerung mit der Abwanderung ärmerer Schichten einhergehen.

Auf dem richtigen Weg

Doch das muss nicht zwangsläufig so kommen: Einige Städte schaffen Wohngebiete mit gemischter Einkommensstruktur und verhindern die Verdrängung der ursprünglichen Bewohner. Gleichzeitig integrieren sie Neuankömmlinge so, dass jeder davon einen Nutzen hat. Genau das versucht die Stadt im Jungbusch und der Neckarstadt-West zu realisieren und ist seit zwei Jahren mit dem Projekt „Lokale Stadterneuerung“ auf dem richtigen Weg: Statt einfach Vorschriften zu erlassen, sucht man den Dialog mit den Akteuren vor Ort. Ein anspruchsvoller Aushandlungsprozess auf Stadtteilebene, bei dem mit den Beteiligten geklärt werden soll, was man generell erhalten will, oder was man nicht braucht, weil es beispielsweise gar nicht nicht zulässig ist – wie etwa das Verdrängen von Mietern rein aus Profitgründen.

Verbindliche Vereinbarung

In Gesprächen mit Investoren, Gastonomen, Hausbesitzern, Familien und Kreativen wird derzeit versucht, eine für alle Bewohner und Akteure verbindliche Vereinbarung zu treffen. Das Ziel: in einer interessengesteuerten, vielfältigen Gesellschaft mittels Kooperation und Einsicht den Stadtteil zu einem lebbaren Ort für alle Gruppen zu gestalten. Eine Erhaltungssatzung kann dies nicht leisten.