Kommentar

Kostendruck rächt sich nun

Archivartikel

Steffen Mack über die fatale Situation der Krankenhäuser

So unfassbar schnell, wie sich das Leben in diesen Tagen verändert, wirkt der Blick zurück manchmal richtig gespenstisch. So diskutierte Deutschland vergangenen Sommer über eine Studie, jedes zweite Krankenhaus sei entbehrlich. Heute ist man über jedes einzelne Bett heilfroh, das zur Behandlung von Corona-Patienten zur Verfügung steht.

Nun wäre eine flächendeckende Gesundheitsversorgung – bei sinnvoll konzentrierten Kapazitäten – zwar grundsätzlich auch mit weniger Kliniken möglich. Dennoch wirkt sich die politische „Wir haben viel zu viele Krankenhäuser“-Diskussion nun fatal aus. Weil die Verantwortlichen in Bund und Land sich vor Entscheidungen drücken wollten, was wo geschlossen werden könne, erhöhten sie nach und nach den Druck auf alle Häuser. In der sicheren Erwartung, dass nur wirtschaftlich Gesunde überleben. Gerade im Bereich der Pflege machen sich verschärfte Regelungen – etwa bei der Kostenabrechnung mit den Kassen – verheerend in den Bilanzen bemerkbar. Ende vergangenen Jahres klagten Krankenhaus-Vertreter in fast allen Bundesländern über tiefrote Zahlen. Die Politik reagierte nicht. Das rächt sich jetzt.

Auf Anweisung von Bund und Land müssen alle nicht zwingend nötigen – und zum Teil vergleichsweise lukrative – Operationen verschoben werden, um Kapazitäten für Corona-Kranke freizusetzen. Das macht die ohnehin prekäre Lage vieler Kliniken noch dramatischer. Die Regierung muss ihnen dringend helfen. Und zwar nicht mit Krediten, überschuldet sind sie bereits. Sondern mit direkten Finanzspritzen für den laufenden Betrieb, um das Überleben möglichst vieler zu sichern. Nicht nur das der Krankenhäuser, sondern vor allem das der Patienten.

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