Kommentar

Kultur beim Schopf gepackt

Archivartikel

Hans-Jürgen Emmerich zu Spielplan in Heddesheim

Des einen Freud, des anderen Leid: Weil sich die Stadt Weinheim wegen Corona nicht in der Lage sieht, in der Stadthalle mehr als 127 Besucher unterzubringen, gewährt die kleine Nachbargemeinde Franz Kain und seiner Veranstaltungsreihe vorübergehend Asyl. Das beschert den Heddesheimern eine Handvoll kultureller Leckerbissen, von Bodo Bach bis Mundstuhl, und von Lisa Fitz bis Michl Müller. So kommen Künstler in die Gemeinde, die sonst vermutlich nie hier aufgetreten wären.

Kultur hat es nicht leicht, zumal unter Bedingungen einer Pandemie, deren weitere Verbreitung es zu verhindern gilt. Umso wichtiger ist es, jede Chance zu nutzen, die sich bietet, um das kulturelle Leben zu unterstützen und den Künstlern zu ermöglichen, ihr tägliches Brot zu verdienen, und das ist keineswegs nur der Applaus.

Heddesheims Bürgermeister Michael Kessler hat die Chance beim Schopf gepackt und eine bemerkenswerte Reihe in seine Gemeinde geholt. Neben den Theaterabenden, die die Kommune seit zwei Jahren in eigener Regie betreibt und so vor dem Aus bewahrt hat, ist das ein weiterer Beitrag, um Heddesheim zu einer lebenswerten Gemeinde zu machen.

Wer weiß, vielleicht wird aus der Verlegenheitslösung ja sogar etwas Dauerhaftes. Zwar kann die Nordbadenhalle keine zweite Stadthalle Weinheim werden, vor allem dann, wenn Corona vorüber ist und der Sportbetrieb wieder in vollem Umfang läuft. Aber mit dem Bürgerhaus hat Heddesheim ja durchaus eine attraktive Spielstätte. Nicht auszuschließen, dass Franz Kain dort mit seinen Künstlern in Zukunft öfter mal zu Gast ist. Eine Hand wäscht bekanntlich die andere.

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