Kommentar

Kulturprogramm der Buga: Regionale Stärken

Peter W. Ragge zum Kulturprogramm der Gartenschau

Roberto Blanco, Karel Gott, Ivan Rebroff und Heino haben gesungen, Marika Rökk war ebenso da wie Hazy Osterwald. Herbert von Karajan und Václav Neumann haben dirigiert, Hans Rosenthal („Dalli Dalli“) und Heinz Schenk („Zum Blauen Bock“) ihre Fernsehshows moderiert, dazu sind 77 Folkloregruppen aus 26 Ländern aufgetreten. Schön war’s bei der Bundesgartenschau in Mannheim 1975 – auch wenn einige der Namen dieser einstigen Top-Stars der 1970er Jahre heute vielen Menschen wohl gar nichts mehr sagen.

Denn so schön und auch erfolgreich das damals alles war – diese Zeit ist einfach vorbei. Die Zahl der Fernsehsender ist seither explodiert. Vergleichbare Stars, die breites Publikum ansprechen, gibt es indes kaum noch. Die wenigen zugkräftigen Namen kosten sechsstellige Gagen. Und weder mit der Knabenmusik Dinkelsbühl noch mit Tempeltänzern aus Bali, 1975 in Mannheim jeweils Publikumsmagnete, lockt man heute noch viele Leute hinter dem Ofen hervor.

Es ist daher völlig richtig, wenn das Kulturprogramm der Bundesgartenschau 2023 nicht versucht, nur an legendäre alte Zeiten anzuknüpfen, obwohl davon noch viele der damaligen Besucher schwärmen. Man kann nicht alte Konzepte einfach kopieren.

Das hat Fabian Burstein, der Veranstaltungsleiter für 2023, erkannt. Statt auf austauschbare Gastspiele und Künstler, die von Großevent zu Großevent tingeln, setzt er auf regionale Stärke als Alleinstellungsmerkmal – und er geht es enthusiastisch an.

Dafür findet er in der Tat beste Bedingungen vor, bieten doch Mannheim und die Metropolregion ein hervorragendes kulturelles Reservoir, aus dem man wunderbar schöpfen kann. Das reicht vom Nationaltheater, großen Orchestern, Musikhochschule und Popakademie bist zur (hoffentlich auch nach Corona noch!) üppigen freien Szene. Sie muss nur berücksichtigen, dass das typische Buga-Publikum in der Mehrheit eben doch eher auf Musical und Komödie steht denn auf experimentelles Theater.

Eine gute Mischung verspricht dann sicher auch mehr Erfolg als das Programm beim Mannheimer Stadtjubiläum 2007, wo auswärtige Gruppen mit allerlei teuren, spektakulären Performances und Installationen zwar kurzfristig Aufsehen erregen, aber weder große Besuchermassen angezogen noch die Herzen der Menschen erreicht haben.

Denn darum muss es gehen – ein Programm zu bieten, das authentisch für Mannheim sowie attraktiv für breite Besucherschichten aus der Region und darüber hinaus ist.

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