Kommentar

Kurviger Weg

Archivartikel

Peter Reinhardt zur heiklen Lage der Autoindustrie

Die Strategen der deutschen Automobilindustrie sind wirklich nicht zu beneiden. Zu den hausgemachten Problemen rund um den Dieselskandal wartet auf die baden-württembergische Paradebranche ein kurvenreicher Weg in die Zukunft. Das fängt mit dem Elektroauto an, dem alle Welt das Wort redet, das aber nur wenige kaufen wollen. Für die meisten Autofahrer, die auch mal ans Mittelmeer in den Urlaub fahren möchten, ist das E-Auto noch keine Alternative zum Benziner oder Diesel. Niemand weiß, ob die ehrgeizigen Prognosen eintreffen und in gut zehn Jahren tatsächlich jeder zweite neue Pkw elektrisch angetrieben wird.

Trotzdem müssen sich Hersteller wie Zulieferer darauf einstellen. Wer heute sein Geschäft mit Verbrennungsmotoren macht, braucht in jedem Fall Alternativen.

Die größte Unbekannte beim Elektroauto ist die Batterie. Es war sicher eine strategische Fehleinschätzung der deutschen und europäischen Hersteller, dass sie das Herzstück des neuen Antriebs in Asien zukaufen. Nun sind die Zweifel riesengroß, ob der Vorsprung der dortigen Hersteller noch aufzuholen ist. In diesem Problembündel ist die große Abhängigkeit Baden-Württembergs ein Fluch, zugleich bedeutet die geballte Kompetenz aber auch einen Vorteil bei der Suche nach Auswegen aus der Problemzone. Noch ist allerdings offen, ob der Südwesten seine führende Stellung halten kann.