Kommentar

Längst überfällig

Archivartikel

Christian Rotter zur Wiedereinführung des Auf- und Abstiegs

Sie haben es geschafft – darauf war nach dem Sommertheater der vergangenen Jahre kaum mehr zu hoffen. Zur Saison 2020/21 kehrt der Auf- und Abstieg in die Deutsche Eishockey Liga zurück. Auch wenn die genaue Ausgestaltung der Verzahnung mit der DEL2 noch aussteht, wird der 27. Juli 2018 als Glückstag in die Geschichte des deutschen Eishockeys eingehen.

Sportinteressierte tippten sich hierzulande zurecht mit dem Zeigefinger gegen die Stirn, selbst mancher Fan wandte sich vom Eishockey ab: Dass die DEL jahrelang eine geschlossene Gesellschaft war und die Zweitligisten nur um die goldene Ananas spielten, ließ sich in der deutschen Sportlandschaft einfach nicht vermitteln. In Nordamerika mag es nichts Außergewöhnliches sein, dass sich die Zusammensetzung einer Liga nur verändert, wenn ein neues Team dazustößt – wie zuletzt in der NHL die Vegas Golden Knights. Dies lässt sich aber nicht einfach transferieren. In Deutschland gehört es zur Tradition, dass Fans nicht nur mitfiebern, wenn ihre Mannschaft um den Titel spielt, sondern dass sie auch mitleiden, wenn ihr Team gegen den Abstieg kämpft.

Viele Vorteile

Die längst überfällige Revolution hat nicht nur eine positive Außenwirkung, da die DEL nun nicht länger belächelt wird. Auch ligenintern bringt sie viele Vorteile mit sich. Die Zeiten der Wettbewerbsverzerrung gehören der Vergangenheit an. Immer wieder hatten sich Clubs von Spielern getrennt, wenn der Kampf um einen Play-off-Platz aussichtslos war, um Geld zu sparen. Das werden sie sich nun zweimal überlegen, da das Damoklesschwert Abstieg über ihnen schwebt.

Bei allem berechtigten Jubel darf eines aber nicht vergessen werden: Bei der Ausarbeitung der Auf- und Abstiegsregelung gilt es nicht nur zu berücksichtigen, dass der aufrückende Verein aus der DEL2 wettbewerbsfähig ist, sondern es muss auch gewährleistet sein, dass der DEL-Abstieg nicht das wirtschaftliche Aus eines Clubs besiegelt.

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