Kommentar

Langfristig denken

Archivartikel

Thorsten Hof zum Sommertheater beim SV Waldhof

So sicher wie die Tatsache, dass der längste Tag des Jahres immer auf ein Datum zwischen dem 20. und 22. Juni fällt, ist inzwischen auch das Sommertheater beim SV Waldhof. In schlechter Erinnerung sind da beispielsweise der plötzliche Abgang von Trainer Kenan Kocak im Sommer 2016 oder die juristischen Nachwehen des Chaos-Spiels gegen Uerdingen im Vorjahr. Die jüngsten Aufführungen fallen zwar ebenso in die Kategorie Farcen, Tragödien und Ränkespiele, ihre kurzfristigen Auswirkungen dürften aber von weitaus geringerer Tragweite sein.

Was die langfristigen Folgen betrifft, muss abgewartet werden. Findet sich für Timo Kern ein adäquater Ersatz, wird dieser Abgang schnell in das leidige Kapitel „Was gültige Verträge im Profi-Fußball wert sind“ abgeheftet werden. Sollte die nicht unerhebliche Lücke aber länger klaffen und sich auf die sportliche Konkurrenzfähigkeit des Aufsteigers auswirken, werden sich die Verantwortlichen wohl fragen lassen müssen, ob lange vor der leidigen Wechsel-Posse alles getan wurde, um den 17-fachen Torschützen der Meister-Saison am Alsenweg zu halten. Sportchef Jochen Kientz und Trainer Bernhard Trares genießen hier immer noch großen Vertrauensvorschuss und haben bislang meistens überzeugende Lösungen präsentiert. Im Umfeld der neuen Liga könnte der Wind allerdings bald rauer wehen.

Das jüngste Stühlerücken im Präsidium des Hauptvereins erscheint angesichts der Rückkehr in den Profi-Fußball zunächst ebenfalls als Nebenkriegsschauplatz. Doch selbst wenn bereits ein Nachfolger für Vize-Präsident Stefan Höß bereitsteht, ist die generelle Entwicklung bedenklich. Nach dem langjährigen SVW-Vorstandsmitglied und Interimspräsidenten Klaus-Rüdiger Geschwill kapituliert mit Höß nach nicht einmal einem Jahr bereits ein zweiter Ur-Waldhöfer vor der Management-Dynamik der Familie Beetz. Dass die aufgrund des finanziellen Engagements natürlich jedes Recht hat, die Richtung vorzugeben, gehört zu den Gegebenheiten einer solchen Konstellation. Doch dass der Club-Chef tatsächlich der „Konsensfanatiker“ ist, als der er sich gerne darstellt, ist mehr als fraglich. Beetz darf die Waldhof-Familie jedenfalls nicht verlieren, wenn die jüngste Erfolgsgeschichte nachhaltig bleiben soll.

Zum Thema