Kommentar

Lehrer zweiter Klasse

Peter Reinhardt über die befristeten Verträge für Lehrer in Baden-Württemberg: Andere Bundesländer machen das besser

 

Jahr für Jahr klagen die Lehrerverbände, dass gerade in Baden-Württemberg junge Vertretungslehrer in den Sommerferien arbeitslos werden. Das Problem ist schwer zu erfassen, weil es viele unterschiedliche Formen der befristeten Verträge gibt. Die Spanne reicht von Pensionären, die für ein paar Stunden in der Woche aushelfen, über kürzere Krankheitsvertretungen bis hin zu komplett ausgebildeten Nachwuchslehrern, die einen Vertrag für das ganze Schuljahr haben. Dass die letzte Gruppe zu Beginn der Sommerferien Arbeitslosengeld beantragen muss, zeugt von mangelndem Respekt gegenüber der besonderen Belastung für diese jungen Vertretungskräfte.

Sie leisten die gleiche Arbeit wie die verbeamteten Berufsanfänger in den Schulen, werden aber als Lehrer zweiter Klasse behandelt. Hier hält sich das Land auf Kosten der Sozialkassen schadlos. Dass die Grünen und die Schwarzen vor der Landtagswahl Abhilfe versprochen haben und sich daran nach der Regierungsbildung nicht mehr erinnern, vermehrt den Frust der Betroffenen.

Bei der heutigen Oppositionspartei SPD ist die Sache umgekehrt. Die fordert jetzt die durchgehende Bezahlung, die sie während der eigenen Regierungszeit nicht gewährt hat. Die jeweils Verantwortlichen kalkulieren kühl, dass die Zufriedenheit der übergroßen Mehrheit der Beamten wichtiger ist als der Ärger einer kleinen Untergruppe angestellter Lehrer.

Die Nachbarländer Rheinland-Pfalz und Hessen machen vor, dass es auch anders geht. Vor allem das hessische Stufenmodell könnte Vorbild für Baden-Württemberg sein. Zumindest Lehrer, die fast das ganze Schuljahr unterrichtet haben, müssen sich dort für die Sommerferien nicht arbeitslos melden. Billig allerdings ist auch diese Variante nicht. Dennoch: Es mangelt am Willen, nicht am Geld.