Kommentar

Leise Töne

Archivartikel

Peter Reinhardt hält neue Tarif-Ansätze für sinnvoll

Noch vor ein paar Wochen hat die IG Metall laut gegen den Stellenabbau getrommelt und beklagt, die „Unternehmensoptimierer“ würden die Krise zulasten der Beschäftigten nutzen. Jetzt sind ganz neue Töne aus den Reihen der selbstbewussten Organisation zu hören. Die Gewerkschaft reagiert auf die unübersehbare Strukturkrise ihrer Branche und will durch eine moderate Lohnpolitik Spielraum für Investitionen in neue Geschäftsfelder verschaffen. So haben etwa zwei von fünf Unternehmen, die für den konventionellen Auto-Antriebsstrang produzieren, noch keine Idee, wie sie Ersatz für überflüssige Arbeitsplätze schaffen, wenn es künftig mehr Elektroautos gibt. Solche Firmen will man mit einem Tarifvertrag quasi zum Jagen tragen.

Das klingt ziemlich vernünftig. Aber die IG Metall hat doch ein paar Hürden aufgestellt. Knackpunkt ist sicher die Forderung, dass die Unternehmen auf Antrag mit den Betriebsräten über Zukunftskonzepte verhandeln müssen. Die Arbeitgeber scheuen jede Ausweitung der Mitbestimmung – und hier ginge sie ans Eingemachte. Daneben bietet die Forderung nach einer linearen Lohnerhöhung zur Stärkung der Kaufkraft viel Spielraum. Schon die von der Bundesbank prognostizierte Inflationsrate von 1,5 Prozent wird vielen Unternehmen als Richtwert deutlich zu hoch sein. Ein Selbstläufer ist der Vorstoß der IG Metall also nicht.