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Jan Kotulla zu den Zukunftsplänen der „Neuen DTM“

Für Gerhard Berger ist das Deutsche Tourenwagen Masters nichts weniger als das Rückgrat des deutschen Motorsports. Es ist kein Wunder, dass der ehemalige Formel-1-Rennfahrer mit solch großen Begriffen arbeitet, wenn es um den Stellenwert der Rennserie geht. Schließlich ist der Österreicher seit 2017 dafür verantwortlich, das neuerliche Aus des lange als „Königsklasse mit Dach“ bezeichneten Wettbewerbs zu verhindern. Bereits 1996 hatte das technische Wettrüsten der Hersteller dazu geführt, dass am Ende niemand mehr bereit war, die horrenden Kosten zu tragen.

Nun ist man wieder an diesem Punkt angelangt. Die Lösung? Weg von den extrem teuren sogenannten „Class 1“-Boliden, hin zur „Massenware“ GT3-Fahrzeug, das zahlreiche Premiumhersteller Motorsport-Enthusiasten für diverse Serien anbieten – auch als Straßenversion.

Einige Nostalgiker dürften sich nun entsetzt abwenden. Zumal Berger auch die Standbeine E-Sport und elektrische DTM ausbauen will. Besonders bei der Vorstellung des 1200-PS-Stromers, der ab 2023 kommen soll, schlugen die Wellen bereits bei der Vorstellung im Internet hoch.

Allerdings darf man eines nicht vergessen: Motorsport und damit auch die DTM ist ein Geschäft. Die Ausstiege von Opel (2005), Mercedes (2018), Aston Martin (2019) und zuletzt Audi sollten auch dem letzten Fan klar gemacht haben, dass ein „weiter so“ nicht möglich war. Dass sich die ADAC GT Masters und die DTM nun noch mehr annähern, ist klar. Am Ende entscheiden die Zuschauer zu Hause oder hoffentlich bald wieder an den Strecken, welches Format ihnen mehr zusagt.

Das dürfte auch davon abhängen, welche Hersteller und Fahrer am Start sein werden. Wie bei vielen Aspekten blieb Berger dazu am Freitag jedoch konkrete Informationen schuldig. Ein Zugpferd wie Sebastian Vettel wäre für die DTM natürlich ein Traum. Doch der Heppenheimer wird sich zunächst auf seinen Formel-1-Restart bei Aston Martin konzentrieren. Und einfach mal so in die DTM umsteigen und gewinnen – hat noch nie funktioniert. Fragen Sie mal Ralf Schumacher oder Heinz-Harald Frentzen.

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