Kommentar

Liebe für alle!

Polizisten stürmen in den Club. Werfen tanzende, homosexuelle Menschen gegen Wände, durchsuchen sie – erniedrigen sie. Routine in den USA. Bis sich die Gepeinigten wehren. Im Stonewall Inn, einem Club in der New Yorker Christopher Street. Es entsteht ein Aufstand. Der Christopher Street Day (CSD) findet dort seinen Ursprung. 50 Jahre ist das her. Und es spielt ins Motto des diesjährigen CSD in Mannheim hinein: „Zusammenhalt wirkt. 50 Jahre Stonewall.“ Liebe für alle – das ist der Wunsch. Das zeigten jetzt auch wieder mehr als 100 000 Teilnehmer der CSD-Parade in Mannheim. Wie wunderbar, dass so viele Menschen – ob homo-, hetero-, bi-, trans- oder intersexuell – mitgemacht und mitgefeiert haben. Also ja: Zusammenhalt wirkt wirklich. Viel ist passiert. Politisch wie gesellschaftlich. Aber noch ist nicht alles getan.

Erst vor einem Monat hat die Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar eine Studie veröffentlicht. Und sie zeigt: Auch in Mannheim und der Region leben viele Nichtheterosexuelle in Angst und Diskriminierung. 44 Prozent der Befragten wurden wegen ihrer sexuellen Orientierung beschimpft. Elf Prozent bedroht, sieben Prozent angegriffen. „Schwul“ gilt bei Jugendlichen immer noch als Beleidigung. „Transe“ ebenfalls. Es gibt unzählige Beispiele.

Insofern ist der CSD eine tolle Möglichkeit, um zu zeigen: Jeder Mensch soll gleiche Rechte haben. Diskriminierung – nein, danke! Das reicht aber nicht. Politische und gesellschaftliche Forderungen müssen auch abseits der Parade Bestand haben – und bestenfalls umgesetzt werden. Gesellschaftlich wird es schwierig. Bildung ist ein wichtiger Faktor: Lernen Kinder bereits im Kindergarten und der Schule, dass jeder lieben darf, wen er will – dann wird sich auch die Gesellschaft in diese Richtung entwickeln. Kinderbücher könnten da zum Beispiel schon in Kitas etwas bewegen: Weg von der traditionellen „Bilderbuch-“ und hin zur „Regenbogenfamilie“. Warum denn auch nicht?

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