Kommentar

Luft wird dünner

Jan Kotulla zum Zukunft des Deutschen Tourenwagen Masters

Spätestens seit dem Ausstieg von Mercedes aus dem Deutschen Tourenwagen Masters zum Ende der vergangenen Saison ist klar, der Druck auf die Verantwortlichen wächst, die Serie fit für die Zukunft zu machen. Dass ausgerechnet der Hersteller mit den meisten Siegen aussteigt, war ein herber Schlag.

Gerhard Berger ist es zwar mit Aston Martin gelungen, schnell wieder einen dritten Hersteller an Bord zu holen. Doch die Außenseiter des Schweizer R-Motorsport-Rennstalls sind mit ihren vier Boliden verständlicherweise noch nicht in der Position, den Platzhirschen von Audi und BMW den Kampf anzusagen. Zudem überstrahlt die Formel 1 – trotz ihrer offenkundigen Probleme – medial alle anderen Serien.

Umso mehr zählen Namen. Das zeigen Mick Schumacher in der Formel 2 oder Fabian Vettel im ADAC GT Masters. Diese Tourenwagen-Serie macht dem DTM das Leben zusätzlich schwer. Dort stellen sich gleich acht Hersteller dem sportlichen Wettstreit. Es wird mitreißender Motorsport geboten, doch auch dort sind die Zuschauerzahlen – ausbaufähig.

Ein Zusammenschluss scheint utopisch, deshalb setzen die DTM-Verantwortlichen ihre Hoffnung darauf, dass man dank des vereinheitlichten Reglements enger mit den japanischen Herstellern kooperieren kann. Inwieweit darunter die Identität der DTM leidet, muss man abwarten. Der Zuschauer-Zuspruch beispielsweise im italienischen Misano ist eher überschaubar. Zumal man dort das Spektakel eines Nachtrennens wieder aufgegeben hat, mit dem Hinweis auf die schlechten TV-Quoten. Doch ohne außergewöhnliche Ereignisse wird das Interesse an den benzinverbrennenden Serien schwinden. Da hat die Formel E mit Rennen mitten in den Städten die Nase vorn. Mercedes hat deshalb seine Konsequenzen gezogen. Wenn die DTM nicht ein Mehr an Renn-Atmosphäre an den neun Wochenenden bietet, dürfte die Luft immer dünner werden.