Kommentar

Luxus Großfamilie

Archivartikel

Tatjana Junker findet, dass kinderreiche Eltern in der Gesellschaft stärker finanziell entlastet werden müssen

Deutschland braucht mehr Kinder. Darin sind sich eigentlich alle einig. Nicht nur mit Blick auf die Rentenkassen, in die immer weniger Jüngere einzahlen. Vor allem auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, den viele als eines der größten Risiken für unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand sehen.

Umso unverständlicher ist es, dass sich diese nun wirklich nicht mehr neue Erkenntnis immer noch nicht konsequent in einer entsprechenden Familienpolitik niederschlägt. Drei oder mehr Kinder zu bekommen ist in Deutschland nach wie vor mit hohen finanziellen Belastungen, ja Nachteilen und Verzicht, verbunden – je nach Einkommen bis hin zum Armutsrisiko. Man muss sich jedenfalls nicht wundern, dass sich vergleichsweise wenige Eltern für ein drittes oder viertes Kind entscheiden – wenn sie sich in der Folge beispielsweise in Ballungsgebieten überhaupt keine halbwegs attraktive Wohnung mehr leisten könnten. Oder wenn, wie in Baden-Württemberg, mehrere hundert Euro im Monat allein für Betreuungskosten draufgehen würden, falls nicht ein Elternteil seinen Job mehr oder weniger ganz an den Nagel hängen will.

Klar ist: Eine Gesellschaft, die Mütter und Väter dazu ermutigen will, mehr Kinder zu bekommen, kann nicht gleichzeitig so tun, als sei das deren Privatvergnügen, ein persönlicher Luxus oder ein teures Hobby, das sie sich eben gönnen.

Stattdessen muss sie den Beitrag, den gerade größere Familien für die Gesellschaft leisten, anerkennen, indem sie sie entsprechend unterstützt. Damit, das Kindergeld alle paar Jahre um einige Euro zu erhöhen, ist es dabei nicht getan. Wichtig wäre vor allem, Eltern mit mehreren Kindern noch stärker von der Abgabenlast zu befreien.

 
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