Kommentar

Macht nutzen

Jan Kotulla zur Überarbeitung des WADA-Codes

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Viele Athletinnen und Athleten in westlichen Nationen fühlen sich durch die engmaschige Überwachung und lang im Voraus zu übermittelnde Aufenthaltsdaten zurecht in ihren Grundrechten eingeschränkt. Gleichzeitig verstehen die Aktiven nicht, weshalb Nationen wie Russland trotz erwiesenen Doping-Betrugs nicht komplett für Olympia gesperrt wurden und werden.

Dabei zeigen gerade Beispiele wie Russland oder auch die Vorgänge im Oregon-Projekt von Nike, wie wichtig es ist, einen weltweit einheitlichen Regel-, Kontroll- und Strafenkatalog zu haben. Schließlich treten die Sportlerinnen und Sportler bei internationalen Wettkämpfen an, bei denen die gleichen Regeln gelten.

Deshalb ist es unerlässlich, dass eine Institution über die Einhaltung der Regeln wacht und kein Flickenteppich entsteht. Ansonsten würde man Gefahr laufen, dass einzelne Verbände aus Eigennutz Dopingvergehen versuchen zu vertuschen. Ein Positivbeispiel sind zwar die Leichtathleten, die – bis auf ganz wenige Ausnahmen – keine russischen Athleten zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio zuließen. Doch genau dies hat auch für Unverständnis gesorgt, weil das Internationale Olympische Komitee diesem Vorgehen nicht für alle Sportarten gefolgt war.

Die Reform des WADA-Codes verschafft den Anti-Doping-Wächtern in diesem Punkt mehr Macht gegenüber dem IOC. Diese sollten die Kontrolleure zum Schutz der sauberen Athletinnen und Athleten nutzen, sonst steigt der Frust bei ihnen noch weiter.

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