Kommentar

Macht und Verantwortung

Hannes Koch zu den Geschäften der Inter-net-Plattformen

Hohe Einnahmen, wenige Regeln – nach diesem Muster laufen bisher die Geschäfte der Internetkonzerne. YouTube, Facebook, Google und andere verdienen Milliarden mit Werbung, erklären jedoch, dass sie für die Inhalte, die ihre Gewinne ermöglichen, nicht verantwortlich seien.

„Plattform“ heißt dieses Geschäftsmodell: Die Konzerne stellen nur den technischen Rahmen – die Filme, Videos, Artikel und Unterhaltungen auf ihren Seiten stammen von Millionen Bürgern.

Diese Logik könnte nun an ihre Grenzen stoßen. Gestern verwies der Bundesgerichtshof ein Verfahren zur Klärung an den Europäischen Gerichtshof. Es geht um diese Fragen: In welchem Ausmaß ist YouTube für die Inhalte der Filme auf seiner Seite mitverantwortlich? Haftet der Konzern, wenn durch Veröffentlichungen das Urheberrecht von Autoren, Sängern, Filmemachern verletzt wird?

Mit einem klaren „Ja“ antwortet das Europa-Parlament. Die große Mehrheit der Abgeordneten entschied sich am Mittwoch für ein neues Urheberrecht im Internet. Idealtypisch sähe das so aus: Zeigt die Google-Suche einen Zeitungsartikel, müsste der Konzern der Zeitung und dem Autor Gebühren dafür zahlen. Die Urheber würden am Google-Gewinn beteiligt.

Das Online-Lexikon Wikipedia befürchtet, durch solche Ausgaben in die Pleite getrieben zu werden. Deshalb sind kluge Regeln nötig. Grundsätzlich erscheint es jedoch plausibel, dass die Internetfirmen die Produzenten ihrer Inhalte am Profit beteiligen – und Missbrauch aktiv verhindern. Wer Macht hat, muss auch Verantwortung übernehmen.

 
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