Kommentar

Machtloser BVB

Alexander Müller zur Transferposse um Ousmane Dembelé

 

Für die akut vom Aussterben bedrohte Spezies der Fußball-Romantiker bringt der Fall Dembelé eine bittere Erkenntnis mit sich. Wer noch daran geglaubt hat, dass es zumindest ein paar der ganzen Vereinsemblemküsser und Ewige-Treueschwörer in kurzen Hosen ernst meinen könnten, hat jetzt finale Klarheit. Die Sitten sind total verwildert und die den Markt flutenden Milliarden haben die Moral des Geschäfts fast vollends zerstört.

Die Dortmunder, die durch ihr 20-jähriges Ausnahmetalent in den Sog des 222-Millionen-Neymar-Transfers geraten sind, versuchen den Anschein zu erwecken, das Heft des Handelns noch in der Hand zu halten. Der BVB reagiert zwar grundsätzlich richtig, indem er den bockigen Wildstreiker von der offensiven Außenbahn erst einmal aus dem Team entfernt und Barcelona bei der Höhe der Ablöseforderung nicht entgegenkommt, kaschiert damit aber nur die eigene Hilf- und Machtlosigkeit.

Denn was kann der Verein tun? Dembelé und Dortmund - da gibt es nach dem skandalösen Verhalten des Jungstars sehr wahrscheinlich keine Arbeitsgrundlage mehr. Die Option, den Franzosen eine Saison auf die Tribüne zu setzen, fällt bei den im Raum stehenden Summen von 100 Millionen Euro und mehr auch flach - der an der Börse notierte BVB ist bekanntermaßen auch seinen Aktionären verpflichtet.

Deshalb ist das realistischste Szenario folgendes: Barça packt noch einmal zehn bis 20 Millionen auf sein Angebot drauf und Dembele verlässt den Verein. Klingt unromantisch, ist es auch.