Kommentar

Markt ist überreizt

Archivartikel

Peter W. Ragge zur Lage in der Hotelbranche

Wer noch den Katalog der Bundesgartenschau 1975 zur Hand hat, der sieht, wie stark da Heidelberger und selbst Viernheimer Hotels heftig um Gäste der Quadratestadt geworben haben. In Mannheim gab es lange nur den „Mannheimer Hof“, das Augusta, das Wartburg und ein paar privat geführte Häuser – das war es. Erst 1984 kam das Maritim dazu, 1996 das Dorint. Lange herrschte ein gravierender Mangel an Hotelbetten.

Das ist vorbei, der Markt hat sich komplett gedreht. Vom riesigen Haus bis zum privaten Design- oder Boutiquehotel kann Mannheim inzwischen jeden Bedarf befriedigen. Zwar haben der Aufschwung des Rosengartens nach dem Ausbau 2007, der Bau der SAP Arena 2005 ebenso wie große Events (etwa der Katholikentag) zu mehr Nachfrage geführt. Seit 2004 steigen kontinuierlich die Übernachtungszahlen. Zudem rühren neue Hotels großer Marken die Werbetrommel und versuchen erfolgreich, ihre Zimmer über eigene Netzwerke selbst zu vermarkten.

Aber man muss kein Fachmann sein, um klar zu erkennen, dass es Überkapazitäten gibt. Zuletzt war es einfach attraktiv, Geld in „Betongold“ zu investieren. Aber bald wird sicher ein sehr harter Verdrängungswettbewerb einsetzen. Das gehört zwar zur Marktwirtschaft – aber darf die Stadt dennoch nicht kalt lassen, denn Leerstände tun ebenso wenig gut wie das Absinken der Hotels auf Ramschniveau.

Die Stadt muss also beim Tourismusmarketing eine Schippe drauflegen und das schon lange angekündigte Konzept bald vorlegen. Zudem sollte sie zumindest dort, wo sie mit Instrumenten der Stadtplanung steuern kann, keine neuen Hotels mehr zulassen. Der Markt ist überreizt.

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