Kommentar

Maskenpflicht ohne Kontrollen wenig praktikabel

Archivartikel

Der Stofflappen im Gesicht hat das Zeug dazu, das Symbol des Pandemie-Jahres 2020 zu werden. Kannte man bis vor zwölf Monaten den vor Nase und Mund gebundenen Schutz nur aus dem medizinischen Bereich oder von Touristen aus asiatischen Ländern, lernten wir mit dem neuen Coronavirus gleich mehrere Vokabeln dazu: Mund-Nase-Schutz und Alltagsmaske sind zwei Beispiele.

Während immer noch regelmäßig Pandemie-Leugner zusammenkommen und – mit allem Recht der freien Meinungsäußerung und häufig freier Nase – die Einschränkung ihrer Rechte reklamieren, schnellen die Infektionszahlen in die Höhe. Heidelberg hat nun innerhalb von nur einer Woche den Sieben-Tage-Inzidenzwert von 50 und dann von 100 überschritten. In Mannheim und Ludwigshafen sieht es genauso düster aus.

Erschwerte Kontrollen

Derweil beschäftigen sich immer mehr Gerichte mit Einwendungen gegen die Maskenpflicht und weiteren Einschränkungen.

Das Verwaltungsgericht in Karlsruhe hat am Montag die strenge Regelung Heidelbergs kassiert: Die Stadt hatte in Fußgängerzonen und auf belebten Plätzen prinzipiell Maskenpflicht vorgeschrieben. Nun gilt die baden-württembergische Regelung, wonach der Mund- und Nasenschutz in Fußgängerzonen nur anzulegen ist, wenn der nötige Abstand von 1,50 Metern zu Mitmenschen nicht einzuhalten ist.

Wer schon einmal zu Geschäftszeiten über die Heidelberger Hauptstraße flaniert ist, weiß: Die Ordnungskräfte haben nun ein Problem. Wie soll diese Regelung, die dem Bürger Ermessensspielräume gibt, überprüft werden? Und welchen Sinn machen Verordnungen, deren Einhaltung nicht überprüft werden kann?

Kinder als Vorbild

Das scheint alles wenig praktikabel. Heidelberg verzichtet nun konsequenterweise darauf, seinen Bürgern eine Maske vorzuschreiben – wohl wissend allerdings, dass diese wegen der Anweisung aus Stuttgart trotzdem in vielen Bereichen eine benutzen müssen. An Haltestellen und in öffentlichen Gebäuden gilt die Pflicht ja weiter.

Nehmen wir uns doch ein Beispiel an unseren Kindern: Für die gehört das Anknüpfen der Maske inzwischen so natürlich dazu wie das Schnüren der Schuhe. Natürlich ist es lästig. Aber auf diese Weise kann doch wenigstens jeder etwas für die Bekämpfung der Pandemie tun – und nicht nur zusehen, was passiert.

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