Kommentar

Mauer aufbrechen

Archivartikel

Jan Kotulla zum Korruptionssumpf im Gewichtheben

Die Legende von den „reinen“ Spielen, sie ist eine Mär. Bereits in der Antike wurde betrogen und gedopt, auch wenn das damals noch nicht so hieß. Dementsprechend haben die Gewichtheber seit langem leidvolle Erfahrungen mit Betrügern gemacht. Anscheinend sind die Verlockungen zu groß. Während hierzulande mit dem Kampf gegen die Schwerkraft nicht das große Geld zu machen ist, locken andere Staaten mit guten Posten, Statussymbolen oder hohen Prämien. Unterstützt werden sie dabei von Funktionären, die mit ihren über Jahrzehnte geknüpften Seilschaften dafür sorgen, dass Dopingproben verschwinden, Kontrolleure in die Irre geführt werden oder Wahlen zu ihren Gunsten beeinflusst werden. Diese Machenschaften könnten nun dazu führen, dass diese olympische Kernsportart im schlimmsten Fall von der Bühne mit den fünf Ringen verschwindet.

Athleten wie Jürgen Spieß oder auch Trainer wie Oliver Caruso sind seit Jahren Rufer in der Wüste. Nur wenn es gelingt, die Mauer des Schweigens aufzubrechen, so dass Hintermänner wie Mediziner, Coaches und Funktionäre hart bestraft und dauerhaft aus dem Sportsystem entfernt werden, haben saubere Sportler eine Chance. Die Gewichtheber mögen gerade in den Fokus gerückt sein, für andere Disziplinen gilt jedoch dasselbe.

Zum Thema