Kommentar

May verliert enge Vertraute

Archivartikel

Katrin Pribyl über den Rücktritt von Amber Rudd

 

Wie so oft war es nicht der Skandal an sich, der Amber Rudd zum Rücktritt gezwungen hat, sondern die Art und Weise, wie die ehemalige Innenministerin auf ihn reagierte. Sie hat gelogen und sich zu spät viel zu zurückhaltend geäußert. Ihr Abgang war unvermeidlich und richtig. Aber auch damit ist die Affäre um den Umgang der Regierung mit karibischen Einwanderern keineswegs beigelegt.

Im Gegenteil: Premierministerin Theresa May hat mit Rudd eine enge Vertraute verloren, die sich in den vergangenen Wochen als Sündenbock eignete für eine Einwanderungspolitik, die May als Innenministerin eingeführt hat. Die heutige Regierungschefin, in Migrationsfragen eine konservative Hardlinerin, verschärfte damals die Regeln, was dazu führte, dass nun auch Unschuldige ins Fadenkreuz gerieten. nämlich jene Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Londoner Regierung als Arbeitskräfte auf die Insel geholt wurden und das Königreich zu ihrer Heimat gemacht haben. Sie zu behandeln, als hielten sie sich illegal im Land auf, nur weil im Behördenchaos ihre Papiere vernichtet wurden, ist schäbig und undankbar. Die Opposition fordert nun auch May zum Rücktritt auf.

Doch ob die seit der Neuwahl im vergangenen Juni angezählte Premierministerin wirklich über den Skandal stürzen wird, darf bezweifelt werden. Das alte Dilemma bleibt: Wer sollte dann in die Downing Street Nummer Zehn als Regierungschefin einziehen? Es ist dieses Chaos inmitten der Brexit-Verhandlungen, das Mays politisches Überleben sichert. Die Frage lautet aber: wie lange noch?

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