Kommentar

Mehr als ein PR-Coup?

Alexander Müller zur Klinsmann-Rückkehr in die Bundesliga

Auch die Inhaber von Läden mit fernöstlichen Devotionalien in Neukölln, Friedrichshain oder Prenzlauer Berg werden die spektakuläre Nachricht, die Fußball-Bundesligist Hertha BSC am Mittwochmorgen von Berlin aus in die Republik sandte, mit Interesse zur Kenntnis genommen haben. Jürgen Klinsmann übernimmt bis Saisonende den strauchelnden Hauptstadt-Verein vom glücklosen Ante Covic. Der Bundestrainer bei der Heim-WM 2006, der zu Beginn seines von wenig Erfolg gesegneten Zehn-Monats-Engagements beim FC Bayern 2008/2009 für Aufsehen sorgte, als er das Trainingsgelände an der Säbener Straße mit einer Vielzahl von Buddha-Statuen dekorieren ließ. Das gefiel nicht jedem in der bayerischen Metropole des Katholizismus.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Klinsmann eine ähnliche Aktion in Berlin plant. Statt Exkursionen ins Spirituelle zu organisieren, ist der Schwabe bei Hertha als Krisenmanager gefordert, der ein in die Niederungen der Tabelle abgerutschtes Team so schnell wie möglich stabilisieren muss. Ob ihm das gelingt, dürfte einer der spannendsten Fragen dieser Saison werden.

Unter PR-Gesichtspunkten ist den Berlinern ein Coup gelungen. Ein wenig vom Glanz des Namens Klinsmann färbt nun auf den in den vergangenen Jahren zunehmend als langweilig wahrgenommenen Club ab. Das stagnierende Interesse an der Hertha in Berlin dürfte einen Schub bekommen, auch der Liga generell tut die Rückkehr des Gesichts des „Sommermärchens“ gut.

Fragwürdige Qualifikation

Klinsmanns sportliche Qualifikation für die Aufgabe im Abstiegskampf bleibt jedoch fragwürdig. Beim DFB beseitigte der frühere Nationalstürmer beim Amtsantritt 2004 zwar den Muff des jahrelangen Stillstands, aber für das fußballerische Kerngeschäft war sein damaliger Assistent Joachim Löw zuständig. Nicht ohne Grund hat auch die Hertha die Personalie Klinsmann mit dem früheren Bremer Coach Alexander Nouri, dessen Sidekick Markus Feldhoff und DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke flankiert. Ganz ohne Netz und doppelten Boden wollten die Verantwortlichen den 55-Jährigen offenbar nicht wirken lassen.

Vielleicht hängt diese Vorsicht auch damit zusammen, dass sie Klinsmann nach seiner Entlassung beim FC Bayern ein paar unschöne Dinge hinterherriefen. „Seine Verpflichtung war ein Fehler. Das kreiden wir uns an“, ätzte Präsident Uli Hoeneß im Rückblick. Die Buddha-Statuen an der Säbener Straße waren da schon längst wieder verschwunden.

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