Kommentar

Mehr als ein Symbol

Archivartikel

Stefan Vetter zur Umbenennung einer Kaserne: Ursula von der Leyen will die Bundeswehr von ihrem braunen und militaristischen Ungeist befreien

 

Haben die nichts Besseres zu tun? Da klemmt es bei der Bundeswehr an allen Ecken und Enden. Aber Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kümmert sich um Dienstvorschriften, preist den von ihr initiierten neuen Traditionserlass für die Truppe. Das sind zehn Seiten Papier, die die wenigsten lesen werden.

Ja, so kann man denken. Aber es ist kurzsichtig gedacht. Denn die Bundeswehr hat auch einen historisch-politischen Nachholbedarf. Und es ist gut, dass sich von der Leyen endlich darum gekümmert hat. Als im vergangenen Frühjahr die Affäre um den Soldaten Franco A. für Schlagzeilen sorgte, sprach die Ministerin von „Gift“ für den guten Ruf der Truppe. Franco A. war nicht nur terrorverdächtig, sondern auch ein Hitler-Verehrer und Rechtsextremist. Aber die Sache wurde in der Bundeswehr lange vertuscht.

Ein Führungsversagen. Mag sein, dass von der Leyen übereifrig reagierte, als sie die gut 30 000 Einrichtungen der Bundeswehr nach Nazi-Devotionalien absuchen ließ. Im Kern war ihre Entscheidung jedoch richtig. Denn es ging nicht nur um ein paar Stahlhelme der Wehrmacht. Im Fadenkreuz steht der braune, der militaristische Ungeist, der sich bis heute auch in den Namen mancher Kasernen der Bundeswehr widerspiegelt. Es ist mehr als ein Symbol, wenn eine Kaserne jetzt den Namen eines deutschen Eroberers im Ersten Weltkrieg ablegt und fortan erstmals den eines in Afghanistan getöteten Soldaten trägt. Das war in der Tat überfällig.

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