Kommentar

Mehr als überfällig

 

Das Recht auf Familienplanung ist ein Menschenrecht. Zuletzt 2004 mit überwältigender Mehrheit von den Vereinten Nationen bestätigt. Dass sozial Schwache in Deutschland dennoch nur eingeschränkt Zugang zu sicherer Verhütung haben, ist skandalös – und der Vorstoß der Grünen, das schnell zu ändern, mehr als überfällig.

Dabei gab es hierzulande bis zum Jahr 2004 für Frauen mit wenig Geld die Möglichkeit, Verhütungsmittel vom Sozialamt als Sonderleistung bezahlt zu bekommen. Hartz IV aber beendete diese Praxis. Seither gilt für bedürftige Männer und Frauen der Regelsatz. Darin enthalten: rund 15 Euro für die gesamte Gesundheitspflege, also auch für Zahnbürsten und Kopfschmerztabletten.

Besonders sichere Mittel wie die Pille oder die Spirale lassen sich damit jedenfalls nicht bezahlen. Entsprechend fällt das Ergebnis einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus: Frauen mit niedrigem Einkommen greifen häufiger zu unsicheren Verhütungsmitteln als ihre Geschlechtsgenossinnen ohne finanzielle Probleme. Und sie treiben rund dreimal häufiger ab. Das aber wird ihnen bezahlt.

Immerhin: Einige Kommunen, darunter Mannheim, übernehmen Verhütungskosten als freiwillige soziale Leistung. Außerdem wird in Modellregionen der kostenlose Zugang getestet. Unter dem Strich aber bleibt: Bei zu vielen Frauen entscheidet der Geldbeutel darüber, wie sie verhüten. Oder der Wohnort. Beides darf nicht sein.

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