Kommentar

Mehr Mut

Archivartikel

Manfred Loimeier verlangt von den Bildungspolitikern in Deutschland entschlossenere Reformen

Das sind doch einmal gute Nachrichten: Während in jüngster Vergangenheit immer wieder von zunehmendem Egoismus und einer rücksichtslosen Ellbogengesellschaft in Deutschland die Rede war, weist das neue Bildungsbarometer des Ifo-Instituts offenbar auf eine Trendwende hin.

Demnach steht soziales Denken hierzulande derzeit hoch im Kurs – zumindest, wenn es um die Zukunft von Kindern und den Alltag von Familien geht. Einführung von Ganztagsschulen, verpflichtender und kostenloser Besuch von Kindertagesstätten für Kinder ab vier Jahren, Förderung schlechter gestellter Familien, Stipendien für einkommensschwache Studierende und sogar höhere Löhne für besonders geforderte Lehrer – das sind Ziele, die jeden Bildungspolitiker in Deutschland jubeln oder doch wenigstens aufhorchen lassen sollten.

Klar, das alles lässt sich sehr leicht fordern. Aber falsch ist es, nun zu allererst die Gegenargumente zusammenzutragen und sich darauf zu konzentrieren, warum dies alles nicht umsetzbar sein sollte. Richtig wäre es, darüber nachzudenken, wie die bisherigen Hürden überwunden werden könnten. Und unzureichend ist es, darauf zu verweisen, was dazu schon alles unternommen wurde.

Was erforderlich ist, sind anstelle vager Worte konkrete Schritte zu mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit. Und was die Finanzierung all dieser Reformen im Bildungswesen angeht – dafür liegen Vorschläge und Ideen seit längerem auf dem Tisch. Es braucht nur den Mut, diese Projekte anzugehen. Der nächstliegende Schritt ist es, das Kindergeld abzuschaffen und die dadurch freiwerdenden Summen in eben diese Aufgaben zu investieren. Sie kämen Kindern direkt zugute.