Kommentar

Mehr Mut gefragt

Archivartikel

Hagen Strauß zur Vergeudung von Lebensmitteln

Es stimmt: Auch der Verbraucher ist gefordert. Wer den Einkauf richtig plant, schmeißt am Ende auch weniger weg. Der gute alte Einkaufszettel ist dabei sehr nützlich. Der Verbraucher allein kann es jedoch nicht richten. Politik und Handel sind genauso, wenn nicht sogar noch mehr, gefordert, die Lebensmittelverschwendung in Deutschland einzudämmen.

Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich nun zum Ziel gesetzt, gemäß UN-Vorgabe bis 2030 die Abfallmenge um die Hälfte zu reduzieren. Wenn man bedenkt, dass laut Klöckner jedes Jahr elf Millionen Tonnen Nahrungsmittel auf den Müll wandern, ist das ein ambitioniertes Ziel. Vor allem, weil die Ministerin auf Selbstverpflichtungen und Freiwilligkeit der Wirtschaft setzt. Was bei Klöckner nichts Neues ist. Verbindliche Vorgaben scheut sie, statt Konfrontation soll Kooperation zum Ziel führen. Doch diesmal könnte das sogar klappen. Denn auch die Industrie muss ein Interesse daran haben, die Abfallmengen zu reduzieren – aus Kostengründen.

An der einen oder anderen Stelle könnte Klöckner freilich mehr Mut beweisen. Zum Beispiel beim Mindesthaltbarkeitsdatum. Trotz einer langen und intensiven Debatte darüber halten es zu viele Verbraucher noch für ein Verfallsdatum, was es aber nicht ist. Wenn die Ministerin hier für Klarheit sorgen würde – so wie es etwa England schon lange vorgemacht hat –, wäre dies besonders verdienstvoll.

 
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