Kommentar

Mehr Respekt!

Archivartikel

Hagen Strauß bemängelt, dass sich in den sozialen Netzwerken Populisten ein schnelles Urteil bilden – ohne Rücksicht auf die Opfer

Die politischen Reaktionen auf die schreckliche Tat von Frankfurt sind zum Teil bizarr. Da gibt es eine AfD, die ohne weitere Erkenntnisse sofort die ohnehin nicht mehr existierende Willkommenskultur ursächlich für die Tat ansieht. Schäbig. Als Ende Juli in Voerde ein (weißer) Serbe, also kein Flüchtling, aber ein Mann aus einem Land, dem sich die AfD verbunden fühlt, eine Frau vor einen Zug stieß, gab es keine Reaktion der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel.

Natürlich auch nicht, als ein Flüchtling kürzlich in Hessen niedergeschossen wurde. Passt halt nicht in die Strategie der Rechtspopulisten. Das extreme linke Lager ist nicht besser. Es ist ebenso schnell mit Urteilen und Aufrufen bei der Hand, wenn der Verdacht einer womöglich rechten Straftat in der Luft liegt. So schaukelt man sich vor allem in den sozialen Netzwerken hoch. Fakten bewerten, Ermittlungsergebnisse abwarten, vor allem aber Rücksichtnahme und Respekt gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen sind an den politischen Rändern nicht mehr zu finden. Die Polarisierung schreitet voran. Insofern muss man Horst Seehofer loben, der am Dienstag erneut dazu aufgerufen hat, sich zurückzuhalten. Oder anders ausgedrückt: einfach mal die Klappe halten bei Twitter und anderswo nach einer solchen Wahnsinns-Tat. Das würde der politischen Kultur im Land guttun.

 
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