Kommentar

Mehr Streit, bitte

Archivartikel

Der Satz des Tages fällt gegen 14.30 Uhr: „Mit der rechtspopulistischen FPÖ reden wir nicht, denn wir kennen deren Meinung.“ Martina Brunner, Gründerin der Initiative Nachtbürgermeister Wien „diskutiert“ auf der Bühne mit Kollegen über die Bewegung der Nachtbürgermeister. Als Hendrik Meier, der Mannheimer Vertreter, sie mit einem Zitat von Wiens FPÖ-Stadtrat Michael Stumpf konfrontiert. Dieser bezeichnet die Forderung, die Brunner und Vertreter der Grünen in Wien haben, als Postenschacherei. Einen Nachtbürgermeister brauche man nicht. Brunners Satz lässt glauben: Man spricht nicht mit Menschen, die anderer Meinung sind.

So in etwa, vielleicht nicht mit ganz so viel Härte, zeichnet sich auch das Bild dieser Konferenz. Meier und seine Kollegen von Startup Mannheim, die dieses Event organisiert haben, hatten ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man Raum für Diskurse schaffen und sich nicht gegenseitig auf die Schultern klopfen wolle. Anecken. Lösungen finden. Lässt man die letzte Diskussionsrunde (Buga 2023) außer Acht, war es leider nichts anderes als ein sich selbst bestätigender Zirkel. Kopfnicker-Gespräche. Interessant, lehrreich – das war die Veranstaltung definitiv. Aber Reibung? Die gab es nicht.

Für die nächste Konferenz, sofern es eine weitere geben soll, würde daher ein bisschen mehr Streit guttun. Auch, wenn das unangenehm werden kann. Und anstrengend. Aber nur so bildet man diese heterogene Gesellschaft ab. Nur so kann man Kompromisse finden. Selbst, wenn dann auch mal linksgerichtete Party-Macher mit rechtsgerichteten Parteien sprechen müssten.

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