Kommentar

Mehr Transparenz

Peter Reinhardt zum Einsatz von Pestiziden

Am liebsten würden die Landwirte und der für sie zuständige Minister das Thema Pestizid einer öffentlichen Diskussion entziehen. Sie haben Angst vor wirtschaftlichen Einbußen, weil die Verbraucher immer mehr Wert auf gesunde Lebensmittel legen. Aber um die Debatte wird der Nährstand nicht herumkommen. Je länger die Geheimnistuerei anhält, desto mehr wächst bei den Verbrauchern der Verdacht, dass es da etwas zu verbergen gilt. Umgekehrt müssen die Kritiker bedenken, dass es ohne Pflanzenschutz viele einheimische Produkte nicht mehr in der gewohnten Qualität und zum aktuellen Preis gibt. Bei der Schweinemast lässt sich beobachten, wie harte Vorgaben im Tierschutz Bauern in die Resignation treiben und der Fleischimport steigt.

Die Diskussion über Zielkonflikte bei der Reduzierung des Pestizideinsatzes ist notwendig. Dass allein schon die Kosten für die Mittel die Bauern zum umsichtigen Einsatz bewegen, ist zunächst nicht mehr als eine Schutzbehauptung. Manch einer folgt beim Pflanzenschutz sicher auch der Maxime, dass viel viel hilft.

Die von den Umweltschützern geforderte Halbierung des Pestizideinsatzes weckt schwer erfüllbare Erwartungen. Genaues weiß man jedoch nicht, da die Datenbasis unzureichend ist. Zur Not muss eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden, um den Einsatz zu dokumentieren. Die einzelnen Landwirte sind ohnehin schon zur Aufzeichnung verpflichtet. Viel zusätzlicher Aufwand ist deshalb nicht notwendig. Ausbaufähig erscheinen die Kontrollen. Eine Überwachungsquote von einem Prozent wirkt sicher nicht präventiv.

 
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