Kommentar

Mehr Vernunft

Manfred Loimeier spricht sich in der Debatte um das Flugzeugunglück im Iran gegen vorschnelle Sanktionsforderungen aus

Ja, es ist erstaunlich, wie einig sich führende Politiker darin sind, dass der Absturz des Flugzeugs im Iran zwar durch Raketenbeschuss, dabei aber aus Versehen geschehen sein dürfte.

Ob US-Präsident Donald Trump, Kanadas Premierminister Justin Trudeau, der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas oder die deeskalierenden Worte des niederländischen Außenministers Stef Blok – durch die Bank geht es ihnen darum, in dieser angespannten weltpolitischen Lage für Beruhigung zu sorgen. Trudeau bringt sogar noch die Empathie auf, neben den kanadischen Opfern auch für die gestorbenen iranischen Passagiere Trauer zu zeigen und damit an Mitgefühl zu appellieren.

Stehen damit alle Zeichen plötzlich auf Entspannung, sind die Politiker mit einem Mal besonnen geworden? Nein, das beileibe nicht. Schon fordert CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak gegebenenfalls Sanktionen gegen den Iran und plädiert damit für eine Fortsetzung der alttestamentarischen „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Politik. Was das bringen soll, außer weitere Schreckensmeldungen, ist schleierhaft. Aber auf ein Einlenken der iranischen Regierung zu wetten – dazu gibt es ebenfalls keinen Anlass. Die bisherigen Drohgebärden aus Teheran sprechen eindeutig dagegen.

Nur: Wenn die konkrete Unglücksursache noch nicht einmal annähernd geklärt ist und sich beispielsweise die EU-Kommission absolut noch nicht auf eine Einschätzung festlegen möchte, dann erscheint es am ratsamsten, zunächst Ergebnisse einer internationalen Untersuchung abzuwarten und erst dann über mögliche Folgen zu beraten.

Bis dahin hat eingedenk der 176 getöteten Menschen etwas anderes im Vordergrund zu stehen, und zwar die Sicherheit von Flugpassagieren. Wie zum Beispiel konnte es sein, dass ein militärischer Schlag angekündigt, die entsprechende Flugverbotszone für Passagierflugzeuge offenbar aber nicht ausgeweitet wurde? Und wieso starten Passagierflugzeuge überhaupt in einem Krisengebiet, in dem eine Attacke im Luftraum bevorsteht?

Statt also rückgerichtet sich im „Wie du mir, so ich dir“-Hickhack zu verlieren, sollte der Blick nach vorn gerichtet und gefragt werden, wie ein solches Flugzeugunglück – wenn schon nicht gleich das ganze Machtgehabe – künftig vermieden werden kann. Die Reaktion der Lufthansa, vorerst auf Flüge von und nach Teheran zu verzichten, klingt da noch am vernünftigsten. Ansonsten gilt: Vergangenes ist nicht mehr veränderbar, aber Zukunft kann gestaltet werden. Und das bitteschön ohne neues Blutvergießen.

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