Kommentar

Methode Franziskus

Julius Müller-Meiningen sieht im Papst einen cleveren Hirten, der mit Hilfe der aktuellen Synode seine Herde antreibt

Papst Franziskus ist ein Schlitzohr. Viele Katholiken und Nicht-Gläubige liegen ihm wegen seiner einnehmenden Art zu Füßen. Als moralische Instanz wird der Argentinier wahrgenommen. Das ist vor allem seinem Engagement für Umweltschutz und für soziale Veränderungen geschuldet. Doch Franziskus hat auch Fehler gemacht. Diese werden vor allem von seinen Kritikern hervorgehoben, von denen einige im Vatikan sitzen. Keine gute Figur machte der Papst zum Beispiel im Missbrauchsskandal.

Am Sonntag hat nun mit der Amazonien-Synode ein Großereignis begonnen, auf dem nicht nur über Ausbeutung und Ökologie debattiert wird, sondern vor allem auch über den Zölibat und die stärkere Beteiligung von Frauen und Laien am katholischen Leben.

Der Papst ist, was diese Themen angeht, eher liberal eingestellt. Er kann Veränderungen aber nicht übers Knie brechen. Die Gefahr einer Kirchenspaltung wäre zu groß. Franziskus wählte deshalb erneut das Instrument der Synode, um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Das war schon bei der Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten der Fall. Erst wurden die Menschen vor Ort befragt, die andere Bedürfnisse als die katholische Hierarchie haben. Jetzt sollen die Bischöfe über diese Bedürfnisse debattieren und dem Papst unverbindliche Vorschläge machen. Franziskus erlässt dann irgendwann allgemeingültige Beschlüsse.

Früher durften die Bischöfe diskutieren, dann blieb alles wie gehabt. Dieser Papst hingegen treibt seine Herde an, damit diese ihm dann die Entscheidungen leichter macht. In Rom ist von der „Methode Franziskus“ die Rede. Es ist die Methode eines Schlitzohrs.