Kommentar

Miserable Zustände

Archivartikel

Bertram Bähr zu den Aussichten für die Waldschule

Man mag das als Fortschritt sehen: Noch vor zwei Jahren hatte die Verwaltung betont, für Sanierungen und Neubauten auf dem weitläufigen Gelände der Waldschule in der Gartenstadt gebe es „keine konkrete zeitliche Perspektive“. Inzwischen hat die Stadt zumindest den Ersatz des völlig maroden C-Baus durch einen modernen Klassentrakt mit einem Datumsstempel versehen: 2023. Der Rektor spricht denn auch etwas sarkastisch davon, man müsse den seit Jahren geäußerten Wunsch nach einer Minimallösung zumindest „nicht vollständig begraben“.

Aber drei Jahre bis zu einem möglichen Neubau-Beginn von sechs bis acht Räumen sind – wenn sie denn überhaupt eingehalten werden – eine lange Zeit. Schließlich wächst die Zahl der Schüler kontinuierlich. Und mit 30 Klassen, die in zum Teil kleinen oder umgewidmeten Räumen untergebracht werden müssen, hat die Waldschule ihre Kapazitätsgrenze eigentlich längst überschritten.

Zumal jetzt noch die Corona-Pandemie hinzukommt. Vollgepferchte Klassenzimmerchen ohne jeden Abstand zwischen den Schülern sind derzeit so ziemlich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Nicht nur an der Waldschule rächt sich jetzt, dass das Land die Mindestgrößen für Zimmer immer weiter nach unten geschraubt hat.

Aber insbesondere an der Walkürenstraße kommt erschwerend der zum Teil miserable bauliche Zustand der Räume hinzu. Noch vor den Haushaltsberatungen im vergangenen Jahr schien es, als hätten die meisten Parteien das begriffen. Entsprechende Signale an die Schule und den Bezirksbeirat gab es zuhauf. Dennoch zeigten sie sich die Politiker bei der entscheidenden Abstimmung inkonsequent – und schoben die erforderlichen Mittel von 2021 auf 2023.

Dass CDU und FDP jetzt plötzlich in einer Kehrtwende von der Stadt ein „Sofortprogramm“ fordern, mag sich für die Öffentlichkeit gut anhören. Aber die Entscheidung ist im Dezember 2019 gefallen. Der Vorstoß kommt definitiv zu spät.

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