Kommentar

Mit Augenmaß

Alexander Jungert über Investitionen aus dem Ausland

Um ehrlich zu sein: Chinesische Investoren haben keinen guten Ruf. Sie sind die großen Unbekannten, und in der Öffentlichkeit überwiegt oft die Angst vor dem technologischen Ausverkauf. Doch erst einmal langsam.

Als globalisierter Wirtschaftsstandort muss Deutschland grundsätzlich offen sein. Ausländische Investitionen bringen Kapital ins Land, schaffen Jobs, tragen zum Steueraufkommen bei. Im Gegensatz zu Investoren aus anderen Ländern engagieren sich Chinesen oft langfristig, geben Standortgarantien ab, sichern Arbeitsplätze. Es gab sogar schon Fälle, in denen chinesische Unternehmen deutsche Firmen vor der Pleite gerettet haben.

Nun ist es in der Tat ein Unterschied, ob (Mehrheits-)Anteile an einem mittelständischen Maschinenbauer oder an einem Kraftwerksbetreiber gekauft werden. Strengere Prüfungen bei Übernahmen, die für Deutschland sicherheits- und verteidigungsrelevant sein könnten, sind daher legitim. Genauso ist es sinnvoll, die Anteilsschwelle für Prüfungen von 25 Prozent auf 15 Prozent zu senken. Allerdings darf das nur mit Augenmaß geschehen. Sonst entsteht ein gefährliches Bollwerk. Ausländische Investoren könnten schnell das Gefühl erhalten, in Deutschland generell nicht mehr willkommen zu sein. Darunter würde die gesamte Wirtschaft leiden.

 
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