Kommentar

Mit Augenmaß

Archivartikel

Hagen Strauß über die aktuelle Lage der Landwirte

Die Landwirtschaft befindet sich in einer zwiespältigen Situation. Laut dem jüngsten Agrarbericht der Bundesregierung hat sich die ökonomische Lage vieler Landwirte in den letzten Geschäftsjahren verbessert. Auf der anderen Seite ist der Unmut unter den Bauern gewachsen – nicht bei allen, aber bei vielen. Das haben die Proteste in dieser Woche gezeigt. Der Kontrast zwischen gut und schlecht hat etwas damit zu tun, dass der Bauernschaft zuletzt immer mehr aufgebürdet wurde. Mehr Umweltschutz, noch mehr Tierwohl, strengere Auflagen, höhere Bürokratie. Die Anforderungen und die Erwartungen der Verbraucher sind immens.

Und der Eindruck ist sicherlich nicht ganz falsch, dass sich die Politik in der Vergangenheit lieber mit den Erzeugern angelegt hat als mit den Konsumenten. Ihre Macht ist einfach größer. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner versucht, dies etwas zu durchbrechen, indem sie stets darauf hinweist, dass die Landwirte mehr Respekt und Wertschätzung verdient haben. Und dass es die schöne neue Lebensmittelwelt nicht zum Nulltarif an der Ladentheke gibt. Wer sie will, muss auch mehr bezahlen. So einfach ist das.

Nicht jeder ist aber dazu bereit. Freilich lässt sich die Schraube der gesellschaftlichen Veränderung nicht mehr zurückdrehen. Das will auch keiner. Die Qualität von Lebensmitteln sowie die Art ihrer Produktion haben einen viel größeren Stellenwert bei den Verbrauchern bekommen. Selbst der Insektenschutz steht jetzt ganz oben auf der Agenda. Die Bauern schauen deshalb auch mit Sorge auf das, was seitens der Politik womöglich noch erdacht werden wird. Auch Klöckner will Veränderungen, sie muss sie als zuständige Ministerin auch wollen. Aber sie möchte möglichst viele Beteiligte dabei mitnehmen. Das ist vermutlich der einzig richtige Ansatz. Er bedeutet vor allem: Maß und Mitte. Auch in der Landwirtschaft.

 
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