Kommentar

Mit der Zeit gehen

Archivartikel

Spröde Orgelmusik, dazu altbackende, wenig attraktive Predigten und im wahrsten Sinne des Wortes „unchristliche Zeiten“ für am Samstag länger aufbleibende Jugendliche – nein, man findet wahrhaftig nicht viele Gründe dafür, als junger Mensch mehr oder weniger regelmäßig zum Gottesdienst in die Kirche zu gehen. Wenn nicht gerade Ostern oder Weihnachten ist, an denen Großeltern auf einen Besuch im Haus Gottes drängen (und auch selbst dann nicht), sind Gottesdienste, erst recht in der Pubertät, schlicht und ergreifend unattraktiv.

Der Weg, den die evangelische Kirche in Mannheim nun einschlägt, einen hauptamtlichen Pfarrer allein für die Jugendarbeit einzustellen, ist deshalb ein Vorbild für weitere Gemeindebezirke – und auch für die katholische Kirche. Gerade in der aktuellen Zeit, in der christliche Werte auf der einen Seite gefühlt immer seltener zu finden sind, obwohl sie auf der anderen Seite gesellschaftlich gebraucht werden, muss sich die Kirche in Deutschland öffnen. Öffnen, um die Jugend wieder mehr zu binden und damit die eigene Zukunft zu sichern.

Es wird spannend sein, wie der junge Pfarrer Oliver Seel bei den Jugendlichen ankommt. Seine Vorschläge, sie hören sich jedenfalls vielversprechend an. Einzig die Umsetzung ist es, die gelingen muss. Tut sie das, hat die evangelische Kirche in Mannheim bewiesen, dass sie mit der Zeit gehen kann. Und das wäre für die Kirche höchst erfreulich.

 
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