Kommentar

Mit gebotener Sorgfalt

Als origineller, lesenswerter Schriftsteller hat sich Robert Menasse vor drei Jahrzehnten mit Romanen wie „Selige Zeiten, brüchige Welt“ etabliert. Dann wählte er einen konzentrierteren Stil und verschrieb sich einer Lieblingsidee. Seitdem tritt er konsequent für den europäischen Gedanken und die Überwindung der Nationalstaaten ein. Im Roman „Die Hauptstadt“ tat er es ebenso wie in Essays oder Reden. Dabei sind ihm die Kategorien durcheinandergeraten. Die Kunst allein ist Ort der Erfindung, in Essays und Reden sollte sachliche Richtigkeit bestimmend sein.

Dieses Gebot hat er vernachlässigt, und er hat sich dafür entschuldigt – zunächst halbherzig, gestern aber nun nachdrücklich. Dass seine Würdigung aufrechterhalten wird, ist gut begründet. Auch Kritiker haben ihm ja keine Täuschungsabsicht unterstellt. Die Mainzer Landesregierung beweist Fingerspitzengefühl und jene gebotene Sorgfalt, die Menasse vernachlässigt hat. Das sollte genügen, damit weder ihr eigener Ruf noch der des Schriftstellers nachhaltig Schaden nimmt.

 
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