Kommentar

Mit Handicap

Archivartikel

Peter Reinhardt sieht den Stand der Inklusion als Armutszeugnis

Acht Jahre hat Baden-Württemberg von Deutschlands Unterzeichnung der UN-Konvention bis zur Umsetzung der Inklusion an den Schulen gebraucht. Verschleppt hat die unvermeidliche Reform zuerst eine von der CDU geführte Regierung. Danach hatten ab 2011 bei Grün-Rot auch zunächst die eigenen politischen Lieblingsprojekte Vorrang. Die Quittung bekommt das Land nun mit der Vergleichsstudie der Bertelsmann Stiftung präsentiert. Gegen den Trend gehen hier sogar mehr Kinder eines Jahrgangs auf Förderschulen. So war das wohl nicht gemeint mit der Inklusion, auch wenn das Förderschulwesen im Südwesten bis zur Umstellung als vorbildlich galt. Nun fehlen die Sonderpädagogen, weil in den Regelschulen eine zweite flächendeckende Struktur aufgebaut werden musste. Viel zu spät hat das Land zusätzliche Studienplätze geschaffen.

Beim gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Handicap zeigt sich eine tiefe Diskrepanz zwischen den politischen Wünschen und der Praxis. Viele Lehrer an den Regelschulen fühlen sich überfordert, weil sie in ihrer Ausbildung auf Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen nicht vorbereitet wurden und die Weiterbildungen offensichtlich unzureichend sind. Zu den Wahrheiten gehört auch, dass viele Eltern um den schulischen Erfolg für ihre Kinder fürchten, wenn Behinderte in der Klasse sind. Es reicht nicht, eine solche Konvention zu unterzeichnen und die Betroffenen mit den Folgen alleine zu lassen. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig. Dabei ist aber auch zu beachten, dass nicht jedes Kind mit Behinderung in einer Regelschule besser aufgehoben ist.

 
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