Kommentar

Mit Leib und Seele

Hans-Jürgen Emmerich zum Ausgang der Bürgermeisterwahl

Hirschberg hat entschieden: Der langjährige Hauptamtsleiter Ralf Gänshirt soll in den kommenden acht Jahren die Geschicke der Gemeinde Hirschberg als Bürgermeister leiten. Dass der parteilose Bewerber mit der Unterstützung von gleich drei örtlichen Ratsparteien im zweiten Durchgang gewinnen würde, das hatten Beobachter erwartet. Allerdings blieb der Abstand fast so knapp wie beim ersten Durchgang vor zwei Wochen. 204 Stimmen erhielt Gänshirt mehr als sein aussichtsreichster Mitbewerber Christian Würz. Ein grandioser Sieg für Gänshirt ist das nicht, und eine herbe Niederlage für Würz auch nicht. Denn er hatte einzig die Unterstützung seiner eigenen Partei.

Privat sind die beiden „Großsaasemer Buwe“ Freunde, im Wahlkampf waren sie faire Mitbewerber. Am Ratstisch müssen sie in Zukunft zeigen, dass sie trotz des hinter ihnen liegenden Wahlkampfes zur Zusammenarbeit zum Wohle der Gemeinde bereit sind. Deutliche Signale dafür haben sie noch am Wahlabend gesendet.

Fachlich dürfte es für Gänshirt keine große Schwierigkeit sein, die Aufgabe an der Spitze des Rathauses zu übernehmen, in dem er immerhin fast 20 Jahre das zentrale Hauptamt leitete. Menschlich kann es indes zur Herausforderung werden, wenn er vom Kollegen zum Chef wird.

Schwere Aufgabe

Auch politisch kommen anspruchsvolle Aufgaben auf ihn zu. In Zeiten leerer Kassen lässt es sich schwerer regieren als in Zeiten voller. Es sind große Fußstapfen, die der langjährige Bürgermeister Werner Oeldorf und dessen Nachfolger Manuel Just hinterlassen haben. Gänshirt wird sie als ihr Nachfolger nun ausfüllen müssen.

Immerhin brauchen die Hirschberger bei Gänshirt wohl nicht befürchten, dass er sich – wie Just – nach einigen Jahren in eine größere Kommune verabschiedet, um Karriere zu machen. Gänshirt ist Hirschberger mit Leib und Seele. Als solcher kann es ihm auch gelingen, die Gräben zuzuschütten, die zwischen den beiden Ortsteilen auch 44 Jahre nach der Bildung der Einheitsgemeinde noch immer gibt. Wenn er das schafft und es auch sonst gut läuft, kann er in acht Jahren noch einmal antreten. Und im Amt bleiben bis zur Rente mit 67.