Kommentar

Mit stumpfen Waffen

Archivartikel

Jan Kotulla über die Alleingänge im Anti-Doping-Kampf

Wie abgehoben und weltfremd einige Sportfunktionäre denken, zeigen die jüngsten Reaktionen auf die für den 9. Dezember angekündigte Entscheidung in Sachen Staatsdoping Russland. Die Welt-Doping-Agentur könnte sich an diesem Tag tatsächlich dafür aussprechen, aufgrund der erwiesenen Manipulationen russische Athletinnen und Athleten zu sperren. Zudem wurde von vielen erwartet, dass dem Riesenreich die Ausrichtung internationaler Großereignisse entzogen wird. Doch die Wada hat nun bereits im Vorfeld klar gemacht, dass die Fußball-EM 2020 nicht darunter fällt.

Das sorgt sogar bei den deutschen Anti-Doping-Kämpfern der Nada für Verwunderung. Dazu muss man allerdings wissen, dass der europäische Fußball-Verband Uefa nie den Wada-Code unterzeichnet hat. Zudem definieren die Fußball-Funktionäre die EM flugs als ein „regionales/kontinentales Sportereignis“ – und lassen sich so ein weiteres Hintertürchen, um im Zweifelsfall vor dem Sportgerichtshof CAS bessere Karten zu haben.

So lange bedeutende Verbände und Organisationen wie die Uefa, aber auch die US-amerikanischen Profiligen im Basketball, Eishockey, Football, Baseball und der US-Hochschulsport lieber ihre eigenen Regeln im Anti-Doping-Kampf aufstellen und überwachen, kämpft die Wada mit stumpfen Waffen – und ist angreifbar. Denn weshalb sollten sich dann andere Länder oder Verbände unter dessen Kontrolle stellen? Zumal sich die USA immer wieder als Sheriff aufspielen und Missstände in anderen Staaten anprangern. Doch nur wenn die Regeln von allen beachtet werden, können die Sportbetrüger mit aller Härte verfolgt und bestraft werden.

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