Kommentar

Mit Vollgas in die Sackgasse

Jan Kotulla zur Situation von Sebastian Vettel bei Ferrari

Langsam aber sicher passiert das, was Sebastian Vettel wohl am wenigsten leiden kann – Konkurrenten und Formel-1-Fans haben Mitleid mit dem viermaligen Weltmeister. Da kommen zu technischen Schwächen taktische Missgeschicke wie das völlig verpatzte Qualifying von Monza und immer wieder haarsträubende Fehler, die den 32-Jährigen wertvolle Punkte kosten.

Vettels Durststrecke geht nun schon ins fünfte Jahr – dabei sollte doch in dieser Saison der Turbo gezündet – endlich die Jagd auf Mercedes mit dem WM-Titel gekrönt werden.

Siegen kann der Heppenheimer. Unter den Fittichen von Red Bull kannte die Karriere des Heppenheimers eigentlich nur eine Richtung – steil nach oben. Vier WM-Titel in Folge holt man nicht nur, weil das Auto überragend ist – der Fahrer ist wichtiger Bestandteil des Gesamtpakets. Und das war beim coolen „Gute-Laune-Rennstall“ Red Bull einzig auf Vettel zugeschnitten. Dort passten seine lockeren Sprüche, sein schwarzer Humor.

Nach einer Saison ohne Titel 2014 zog Vettel eine Ausstiegsklausel, denn Ferrari lockte. Immer wieder hat der Blondschopf betont, dass ein Traum in Erfüllung gehen würde. Je länger die Erfolge auf sich warten ließen, weil beim Traditionsrennstall nicht immer an einem Strang gezogen wurde, desto höher wurden die Erwartungen. Dabei hatte Vettel lange mit Kimi Räikkönen einen Bruder im Geiste: Keine Social-Media-Kampagnen – nur Rennen fahren.

Auf Qualitäten besinnen

Stattdessen erhöhten die Bosse in Maranello den Druck auf Vettel, indem sie ihm Top-Talent Charles Leclerc an die Seite stellten. Wie der Heppenheimer zu Beginn seiner Karriere, ergriff der Monegasse diese Gelegenheit beim Schopf, lässt den Routinier immer wieder alt aussehen und bringt die Team-Hierarchie ins Wanken. Das nagt und lässt Vettel früher undenkbare Fehler produzieren. Jetzt ist es an Vettel, sich auf seine Qualitäten zu besinnen, um es Kritikern, Fans und sich selbst zu beweisen. Die Zeit wird langsam knapp. Sein Vertrag läuft 2020 aus.