Kommentar

Mit Willen und Mentalität

Thorsten Hof zur erstmaligen WM-Teilnahme Islands

Ein völlig hysterisch kreischender TV-Reporter, begeisterte Fans, die mit einem eigenartigen Klatsch-Ritual auf sich aufmerksam machten und ein leidenschaftliches Team, das bis ins Viertelfinale stürmte - das blieb nach der EM 2016 in Frankreich vom erstmaligen Auftritt Islands bei einer Europameisterschaft hängen. Viele taten diese kleine Sensation als einmaligen Farbtupfer einer aufgeblähten Endrunde ab, doch weit gefehlt. Die Männer von der kargen Insel haben es wieder getan und mit der direkten Qualifikation für die WM 2018 unter Beweis gestellt, dass die jüngsten Erfolge alles andere als Zufall sind. Schließlich waren Kroatien, die Türkei oder die Ukraine in Gruppe I keine Laufkundschaft und während die skandinavischen Nachbarn schon raus sind oder auf die Play-offs hoffen müssen, darf sich der isländische Fußball im Norden des Kontinents momentan durchaus als Nummer eins betrachten.

Viel interessanter als diese Feststellung sind allerdings die Hintergründe und die Frage, warum ein Land mit 330 000 Einwohnern, die sechs Monate in Kälte und Dunkelheit leben, nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball immer wieder so viel Qualität hervorbringt. Die heißeste Spur dürfte in Richtung Willen und Mentalität führen.