Kommentar

Moderatoren nötig

Archivartikel

In den Großstädten hat sich auch durch die Zuwanderung das Verhältnis zum öffentlichen Raum gewandelt. Menschen, die früher abends im Fernsehsessel versanken, halten sich heute vor der Tür auf. Sie treffen sich auf Plätzen, sitzen in Biergärten und Cafés. Das Draußen ist wichtiger geworden, man genießt eine Art mediterranes Lebensgefühl und nimmt so teil am öffentlichen Geschehen. Auch nachts sind immer mehr Leute unterwegs. Mit Folgen. Wo die einen feiern, stöhnen andere über Lärm. Es fehlt mitunter das Bewusstsein, auf Mitmenschen Rücksicht zu nehmen. Ein Dauerärgernis. Wer nicht möchte, dass Bewohner ihre Viertel verlassen, sich, wie Mannheim, zum Wohnstandort Innenstadt bekennt, muss diese Entwicklung gestalten und moderieren. Die im Mannheimer Hafenviertel Jungbusch mit Akteuren ausgehandelte Vereinbarung zwischen Lokalen und Anwohnern ist ein erster Schritt in diese Richtung. Jetzt sollen „Nachtschichtler“ auf freiwilliger Basis Ruhestörer zur Räson bringen – ein Konzept, das andere Städte längst anwenden: München geht mit sogenannten Silencern (Ruhestiftern) gegen die Ballermann-Kultur vor.

Dazu ist auch die Politik aufgerufen, die Polizeireviere personell so auszustatten, dass sie sich um Ruhestörer kümmern können. Es darf jedenfalls nicht sein, dass Behörden mit den Aufgaben, nach denen die Stadtgesellschaft heute verlangt – auch nach 24 Uhr –, überfordert sind.

 
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