Kommentar

Müllers Mutmacher

Marc Stevermüer zum Titelrennen in der Bundesliga

Beim FC Bayern gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt. Der Club lädt ja hin und wieder sogar Medienvertreter ein – und zwar einzig und allein aus dem Grund, um sie dann auf einer Pressekonferenz zu beschimpfen. Der Münchner Fußball-Bundesligist, so dachte man es also bis zum Sonntagnachmittag, überrascht einen wirklich nicht mehr. Aber dann kam dieses torlose Remis gegen Leipzig, was weniger aufregend war als das, was da Thomas Müller nach der Partie sagte. Der deutsche Rekordmeister habe nicht den absoluten Siegeswillen gehabt und sei nach 70 Minuten mit dem 0:0 zufrieden gewesen. Wie bitte? So etwas hatte man vom FC Bayern, dem Inbegriff der Selbstüberzeugung, noch nie gehört, weshalb diese Worte ein Signal an die Rivalen sind. Sie müssen nur mutig bleiben, denn ganz offenbar sind diese Münchner nicht so gefestigt wie in der Vergangenheit, in der sie stets die Chance auf eine Vorentscheidung im Titelrennen nutzten.

Das war auch am Sonntag im direkten Duell mit Leipzig und nach dem Dortmunder Patzer erwartet worden. Doch genau das passierte diesmal nicht, was weniger mit Pech, sondern nach dem Seitenwechsel auch mit bayerischer Zurückhaltung auf dem Feld zu tun hatte. Kurzum: Die Chance auf ein Ende der Münchner Dominanz existiert.

Nur der BVB fällt ab

Die Frage ist nur, wer am besten geeignet ist, dem FC Bayern die Meisterschaft wegzuschnappen? Einen Gladbacher Absturz prognostizieren viele seit Wochen, allerdings ist die Borussia noch immer oben dabei und in keinem anderen Wettbewerb mehr gefordert. Es wäre fatal, sie zu unterschätzen, zumal den Gladbachern ganz einfach mehr zugetraut werden muss als Borussia Dortmund.

Die Westfalen spielen zwar spektakulär. Aber was sich der BVB da regelmäßig in der Abwehr leistet, hat dann doch Züge einer vorsätzlichen Sabotage. Immer und immer wieder gibt Dortmund Punkte nach einem sich stets wiederholenden Muster ab, was in dieser Häufigkeit rein gar nichts mehr mit einer Aneinanderreihung von unglücklichen Umständen zu tun hat und zwangsläufig zu der Frage führt: Wissen die Borussen nicht, wie wichtig eine starke Defensive ist? Sagt es ihnen niemand? Oder bringt es ihnen keiner bei? Automatisch rückt da wieder Trainer Lucien Favre in den Fokus.

Bleiben also die Leipziger. Vor der finanziellen Macht der Sachsen haben die Bayern seit Jahren Respekt. Sie wissen, dass da ein neuer Rivale aufgetaucht ist, mit dem sich das Spiel nicht mehr nach den bewährten Regeln spielen lässt. Mehr denn je zeigt das RB in dieser Saison. Erstmals in ihrer jungen Clubgeschichte punkteten die Leipziger in München. Das 0:0 war also auch für sie ein Novum – und ein Mutmacher. Wie auch die Worte von Thomas Müller.

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