Kommentar

Musik als Abenteuer

Archivartikel

Ab sofort steht die Rhein-Neckar-Region wieder ganz im Zeichen von Enjoy Jazz. Bis zum 16. November präsentiert das Festival bei 68 Veranstaltungen Musik fernab ausgetretener Mainstream-Pfade. Getreu seinem Motto, ein „Festival für Jazz und Anderes“ zu sein, ist es einmal mehr eine Einladung, unerhörte Klänge zu entdecken. Denn es gibt zahlreiche Bands und Solisten zu erleben, die selbst Kennern kaum oder gar nicht bekannt sind. Eben dies unterscheidet Enjoy Jazz von weitaus kommerzieller orientierten Veranstaltungen wie etwa die Jazz Open in Stuttgart oder die Leverkusener Jazztage: Dort werden Popstars wie Christina Aguilera, Bob Dylan, Samy Deluxe oder Gentleman unverblümt unter dem Signum „Jazz“ verkauft.

Solcher Etikettenschwindel bleibt dem Publikum von Enjoy Jazz zum Glück erspart. Statt auf Massengeschmack setzt Festivalchef Rainer Kern unbeirrt auf Unkonventionelles und Experimentelles. Dass er dieses Mal einen Avantgarde-Musiker wie den norwegischen Elektroniker Jan Bang als Residenzkünstler verpflichtet hat, spricht Bände. Mutig ist es auch, dass er auf Stammkünstler wie Brad Mehldau oder Joshua Redman verzichtet hat. Man muss Kerns Auswahl nicht in jeder Einzelheit teilen – aber man darf sich getrost auf sechs Wochen voller Hörabenteuer freuen. Und das ist gut so.

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